Was sind Küstenmoore?
Warum diese besonderen Moore unsere Ostsee und das Klima schützen.
Ein besonderes Ökosystem
Entstehung, Bedeutung, Funktionen und Maßnahmen zur Renaturierung
Küstenmoore sind wichtige Ökosysteme, die einen entscheidenden Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten. Sie fördern die Artenvielfalt und bieten vielen seltenen Arten einen wichtigen Lebens- und Rückzugsort. In ihrer Funktion als natürliche Kohlenstoffspeicher tragen sie erheblich zum Klimaschutz bei. Diese und viele weitere positive Eigenschaften und Funktionen von Küstenmooren machen diese Ökosysteme unverzichtbar.
Im Rahmen des ANK-Modellprojekts „Moorklimaschutz an der Ostseeküste“ setzt die OSTSEESTIFTUNG umfangreiche Renaturierungsmaßnahmen auf Küstenmoorflächen entlang der Küste Mecklenburg-Vorpommerns um. Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde und die Universität Greifswald führen dabei die umfassende Begleitforschung zu den klimarelevanten Effekten und den Nährstoffströmen durch – und zwar vor, während und nach der Renaturierung.
Kurz & knapp
- Küstenmoore sind hochspezialisierte Ökosysteme im Übergang zwischen Land und Meer und bieten zahlreichen, teils stark gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Schutz und Lebensraum
- Sie speichern große Mengen an Kohlenstoff, da Biomasse aufgrund der Wassersättigung nur teilweise abgebaut wird, und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.
- Zudem speichern sie große Mengen an Wasser und Nährstoffen, dienen dem Küstenschutz und beeinflussen das Mikroklima in ausgleichender Weise.
- Intakte Küstenmoore sind unverzichtbar für Biodiversität, Klimaschutz und den natürlichen Wasserhaushalt.
Zahlen zu Mooren in Deutschland
- Moore bedecken nur rund 5 % der Landesfläche (Quelle: GMC), speichern aber etwa zwei Drittel des bodengebundenen Kohlenstoffs in Deutschland.
- Über 90 % der Moore gelten als entwässert oder degradiert.
- In Mecklenburg-Vorpommern stammt mehr als ein Drittel der Treibhausgasemissionen aus entwässerten Moorböden.
- Mecklenburg-Vorpommern hat rund 40.000 ha Küstenmoorfläche (Quelle: BfN), welche heute nahezu vollständig eingedeicht, entwässert und landwirtschaftlich genutzt werden.
Die Küste und ihr Salzwassereinfluss
Wie entstehen Küstenmoore?
Küstenmoore entstehen an Flachküsten im Übergangsbereich zwischen Land und Meer. Wie auch andere Moore benötigen Küstenmoore für ihre Entstehung dauerhaft nasse, wassergesättigte Böden, sodass sich Pflanzenreste aufgrund des Sauerstoffmangels nur sehr langsam zersetzen. In der Folge bildet sich über sehr lange Zeiträume Torf. Die Torfwachstumsraten variieren und liegen bei etwa 0,5 bis 1 mm pro Jahr. Im Gegensatz zu Mooren im Binnenland werden Küstenmooren durch salzhaltiges Meeres- bzw. Brackwasser beeinflusst. Dementsprechend entstehen ganz eigene Ökosysteme mit spezifischen Pflanzen und Tieren, die sich von anderen Moortypen unterscheiden.
Besonderheiten von Küstenmooren
- Entstehen im Übergangsbereich zwischen Land und Meer
- Stehen unter Salz- und/oder Brackwassereinfluss
- Lebensraum besonderer Pflanzen- und Tierarten
Biodiversität
Warum leisten Küstenmoore einen wesentlichen Beitrag zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität?
In den Küstenmooren an der Ostsee finden wir hochspezialisierte Pflanzen, die sehr salz- und nässetolerant sind. Neben Röhrichtarten wie Schilf und Strandsimse und deren Begleitarten wie dem Echten Sellerie oder der Strand-Aster treten Pflanzen der beweideten Salzwiesen wie z.B. Salz-Binse, Erdbeerklee und Strand-Dreizack auf. Diese bieten diversen Wasser- und Watvögeln Lebensraum, wie beispielsweise den (stark) gefährdeten Arten Rotschenkel, Uferschnepfe, Kiebitz und Großer Brachvogel. Darüber hinaus finden viele Zugvögel wie Kraniche, Alpenstrandläufer, Goldregenpfeifer, Säbelschnäbler und Nonnengänse sehr gute Rast- und Nahrungsbedingungen auf den Küstenmoorflächen vor. Seeadler und Fischotter nutzen diesen Lebensraum vor allem für die Nahrungssuche. Sie finden im Schilfgürtel zahlreiche Fische, Insekten, Amphibien und Weichtiere, die im flachen Wasser leben. Auf diese Weise spielen Küstenmoore für die Tier- und Pflanzenwelt eine bedeutende ökologische Rolle.
Klimaschutz durch Moore
Wie können intakte und wiedervernässte Moore zum Klimaschutz beitragen?
Durch ihre Fähigkeit, abgestorbene Biomasse auf natürliche Weise im Boden zu speichern, bewahren Moore in Zeiten des Klimawandels wahre Schätze an Kohlenstoff im Untergrund. Während intakte Moorflächen weiter Kohlenstoff einlagern und damit einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz leisten, stoßen entwässerte, degradierte Moorböden große Mengen an CO₂ aus. In Mecklenburg-Vorpommern stammt mehr als ein Drittel aller Treibhausgasemissionen aus solchen organischen Böden. Umso wichtiger ist es, die natürliche Speicherfunktion dieser Flächen wiederherzustellen, indem sie renaturiert und wiedervernässt werden. Da bereits das Anheben des Wasserspiegels die Emissionen erheblich reduzieren kann, setzt das Projekt „Moorklimaschutz an der Ostseeküste“ genau hier an.
CO₂-Fakten
- Intakte Moore speichern Kohlenstoff über Jahrtausende.
- Aus entwässerten Mooren werden durch Torfabbau und Zersetzung kontinuierlich große Mengen an CO₂ freigesetzt.
- Wiedervernässung kann diese Emissionen deutlich reduzieren und neue Kohlenstoffspeicherung ermöglichen.
- Moore sind die effektivsten natürlichen Kohlenstoffspeicher unseres Planeten außerhalb der Meere.
Klima schützen durch Wiedervernässung
Warum stoßen trockene Moore CO₂ aus?
Moore gehören zu den größten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Erde. In Mitteleuropa entstanden viele Moore nach der letzten Eiszeit, sodass das wenig zersetzte Pflanzenmaterial – auch Torf genannt – bis zu 12.000 Jahre alt ist. Werden diese Flächen entwässert, beispielsweise für die Landwirtschaft oder die Erschließung von Bauland, findet eine rasche Zersetzung des gespeicherten Pflanzenmaterials statt und der zuvor gespeicherte Kohlenstoff wird als CO₂ wieder an die Atmosphäre abgegeben. Bei entwässerten Moorböden sind die Emissionen so hoch, dass die Flächen massiv zum Klimawandel beitragen. Auch aus intakten Mooren entweichen zeitweise Treibhausgase; in der Jahresbilanz sind diese jedoch Kohlenstoffsenken (es wird mehr Kohlenstoff aufgenommen als abgegeben) und langfristig überwiegt hier deutlich die Kohlenstoffspeicherfunktion.
Welche Renaturierungsmaßnahmen werden für Küstenmoore ergriffen?
Im Projekt „Moorklimaschutz an der Ostseeküste“ werden sogenannte Küstenpolder (Küstenmoorflächen, die für landwirtschaftliche Zwecke trockengelegt und eingedeicht wurden) renaturiert, indem der Wasserstand angehoben wird. Ziel ist es, wenn möglich, den ursprünglichen Wasserhaushalt der Flächen mit der natürlichen Überflutungsdynamik wiederherzustellen. Hierzu werden Deiche ganz oder teilweise zurückgebaut, Schöpfwerke stillgelegt und Entwässerungsgräben verschlossen. Man spricht bei diesem Vorgang auch von der Wiedervernässung der Moorflächen. Abhängig von der späteren Nutzungsart können neben reinen Naturflächen auch Salzgraswiesen mit extensiver Beweidung oder landwirtschaftlich anderweitig genutzte Paludikulturen entstehen.