Damit wiedervernässte Moore auch wieder zu Kohlenstoffsenken werden können, braucht es neue Torfbildung. Unter welchen Bedingungen aber kann Torfbildung und damit neues Moorwachstum entstehen?
Dieses „neue“ Moorwachstum zu untersuchen, haben sich nun mehrere Institutionen an der Ostseeküste zur Aufgabe gemacht. Aus M-V mit dabei sind die Landesforschungsanstalt -, das Biosphärenreservat Südost-Rügen, das Nationalparkamt Vorpommern, die Universität Greifswald und die OSTSEESTIFTUNG. Alle beteiligten Organisationen setzen im Rahmen des Aktionsprogramms natürlicher Klimaschutz Projekte um, die mit der Restaurierung von Mooren im Küstenbereich assoziiert sind.
Ziel des koordinierten Vorgehens ist es, ein landesweit einheitliches Messnetzwerk zu etablieren. Durch die standardisierte Methodik sollen so langfristig vergleichbare Aussagen zum Moorwachstum an unseren Küsten getroffen werden können. Dabei wird mit hoher Präzision geforscht. Erfahrungsgemäß wachsen natürliche, nasse Moore etwa einen Millimeter pro Jahr. Diese Genauigkeit über Jahrzehnte auch für die Aufwuchsraten der Projektgebiete wiedervernässter Moore zu gewährleisten, stellt hohe Anforderungen an die Messmethodik. Daher wurde auf Kompetenz aus der Nordseeregion zurückgegriffen. Dort werden Aufwuchsraten von Küstenökosystemen mithilfe von sogenannten „Surface-Elevation-Bars“(SEB) gemessen. Über zwei fest im Boden verankerte Rohre wird dabei ein Balken gelegt, von dem aus standardisiert der Abstand zum Boden erfasst werden kann. Etwas angepasst eignet sich die SEB-Methode ebenso für die vorpommersche Boddenküste. Als neuer Standard wird die SEB nun in Kombination mit sogenannten „Marker-Horizons“ eingesetzt. Das sind feste Edelstahlplatten, die in den Boden eingebracht und eingemessen werden. Einmal installiert, können diese Messstellen jahrzehntelang angelaufen und ausgewertet werden, ohne dass Schaden für die Natur entsteht.
Nachdem der erste Messpunkt nun eingerichtet ist, soll die SEB-Marker Horizons-Methode landesweit auf viele Projektflächen der beteiligten Partner ausgedehnt werden. Jederzeit können auch weitere Vorhaben mit ihren Untersuchungsgebieten hinzukommen und neue Forschungsplots errichtet werden. Durch die intensive methodische Abstimmung mit Forschungs- und Anwendungspartnern im In- und Ausland werden so in den nächsten Jahren national und international vergleichbare Daten zur Torfakkumulation und zum Höhenaufwuchs durch Sedimentation an der Ostseeküste entstehen.
Das Ziel der Messkampagne ist ganz klar: Wir wollen die neu entstehenden wiedervernässten Moorlandschaften besser verstehen und neues Moorwachstum präzise beschreiben. Was wir heute bereits wissen: Torfwachstum und nachhaltige Kohlenstoffbindung sind nur in dauerhaft nassen Mooren möglich.
Bild: OSTSEESTIFTUNG